Vortrag mit Lichtbildern -
"Osttimor - jüngste Demokratie der Welt - vor grossen politischen Herausforderungen"

Referentin: Michaela Koller-Seizmair, Vorsitzende

Donnerstag, 3. November 2005 - 18.30 Uhr
Im Seminarzentrum der Bremer Landesbank,
Katharinenstraße 32, Bremen
Veranstalter: Ostasiatischer Verein Bremen e.V.

Vortrag
Das einstige Sorgenkind der internationalen Gemeinschaft, Osttimor, ist sehr viel sicherer geworden. In dem Land, das am 20. Mai 2002 unabhängig wurde, sitzen derzeit noch 45 Uno-Berater für Sicherheit und Justiz. Die jüngste Demokratie der Welt steht aber noch vor ganz anderen, großen Herausforderungen:

Durch den Zerstörungsfeldzug pro-indonesischer Milizen im September 1999 wurden mehr als drei Viertel der Infrastruktur zerstört, deren Wiederaufbau nur langsam voran kommt. Zudem ist die medizinische Versorgung nur unzureichend, nachdem indonesische Ärzte die Insel verließen und Gesundheitseinrichtungen dem Erdboden gleich gemacht worden waren. Osttimor ist zudem das ärmste Land Asiens. Jeder zweite Timorese im aktiven Alter ist entweder arbeitslos oder unterbeschäftigt. Drei Viertel derer, die Arbeit haben, verdienen ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft, etwa beim Anbau von Kaffee oder Reis. Die meisten Timoresen leben von 55 Cent am Tag.

Von einheimischen Wirtschaftsexperten wird eine Stärkung des Agrarsektors, konkret des Kaffee- und des Vanilleanbaus sowie des Fischereiwesens und der handwerklichen Produktion empfohlen. Ein großer deutscher Kaffeeröster zeigte bei der Anuga auch schon Interesse an der Vermarktung eines "Osttimorkaffees", was das Preisniveau steigen ließ. Bisher kauft die amerikanische Starbucks Company ein Drittel des Exports und mischt diesen Arabica-Kaffee unter seine "Java-Mischung". Entsprechende Lizenzbedingungen und Join Ventures könnten helfen, dass ausländische Investoren zur Weiterbildung der Timoresen beitragen. Die deutsche Bundesregierung sicherte Osttimor für den Zeitraum von 1999 bis zum Jahr 2007 27,5 Millionen US-Dollar an Entwicklungshilfe in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Wasserversorgung und Schifffahrt zu. Um den wirtschaftlichen Aufschwung herbeizuführen bedarf es aber dreier Voraussetzungen: den Wiederaufbau und Ausbau der Infrastruktur, die Klärung eigentumsrechtlicher Fragen sowie überhaupt den Aufbau und die Pflege einer Wirtschaftsjustiz. Derzeit werden noch Investoren durch unklare Regeln etwa im Arbeits- oder im Baurecht abgeschreckt. Letztlich fehlt es auch an qualifizierten Juristen, gibt es doch derzeit noch keinen einzigen osttimoresischen Richter. Eine weitere große Herausforderung liegt in der Lösung des Ölkonfliktes mit Australien, der die Erschließung der letzten unerschlossenen großen fossilen Rohstofffelder vor der Küste Osttimors lähmt.